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Bi ba Binnenmarkt

Bremen, 05. 12. 2006

Das Platzen der Immobilienblase in den USA, deren horrendes Außenhandelsdefizit und die für 2007 erwarteten Kaufkraftverluste der us-amerikanischen Konsumenten treiben Herrn Wolfgang Münchau, Kollumnist der Financial Times Deutschland und der Financial Times schier Schweißperlen auf die Stirn.

In seiner Kollumne vom 29.11.2006 "Amerika, ein Gruselmärchen - Der Verfall des Dollar ist Teil einer tektonischen Umschichtung, die uns in den nächsten Jahren bevorsteht" (http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/136259.html) beschreibt er nachvollziehbar anhand des Obstfeld-Rogoff-Szenarios die katastrophalen Folgen, die eine weitere Schwächung des Dollars auf die deutsche Wirtschaft haben kann. Ein wegbrechender Dollar verteuert Waren aus dem Euro-Raum, die extrem exportorientierte deutsche Wirtschaft wird sich dem Binnenmarkt zuwenden müssen. Eigentlich nichts Neues, schon Jim O'Neill, Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, hat aus anderem Blickwinkel auf die Binnenmarktschwäche Deutschlands verwiesen, z.B. in einem Interview mit dem Freitag vom 27.08.2004: http://www.freitag.de/2004/36/04360101.php

Jim O'Neill hat allerdings im Gegensatz zum Obstfeld-Rogoff-Szenario eine praktikable Lösung parat: Erhöhung der Massenkaufkraft, und sei es durch gegenleistungslos verschenktes Geld. Im August 2004 empfahl O'Neill dem damaligen Kanzlerdarsteller Schröder noch, Barschecks zur sofortigen Einlösung an alle Haushalte zu verteilen. Wir wissen, daß Kanzlerdarsteller Schröder dies damals nicht umsetzte, er war zu sehr mit der Umsetzung der nach dem durch die Hurenbock-Affaire bekannten Peter Hartz benannten Massenverarmungsprogramme befasst.

Heute allerdings könnte sich allmählich etwas zum Besseren wenden, ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie es z.B. der Unternehmer Götz Werner seit langem fordert, wird in einer sehr viel größeren Öffentlichkeit positiv diskutiert, als noch vor rund zweieinhalb Jahren.

Durch die laut Obstfeld-Rogoff-Szenario unvermeidbare Dollar-Schwäche wird der deutsche Export unzweifelhaft stark beeinträchtigt werden, aller Wahrscheinlichkeit nach wird in unseren Talk-Shows der Ruf gewisser Kreise nach billigerer Produktion durch noch geringere Löhne als bekannte massenmediale Sau durchs Dorf getrieben werden. Der in unseren Talk-Shows anzutreffende Wirtschaftsverstand beschränkt sich halt leider auf das Niveau volltrunkener Runden lernbehinderter Stammtischbruderschaften.

Als Trost in dieser Angelegenheit bleibt, daß diese "Polit-Talk-Shows" längst nicht mehr der politischen Meinungsbildung dienen, sondern diesen ähnlich den politischen Sendungen der untergehenden DDR nur mehr der Charakter dadaistischer Realsatire zukommt. Man schaut sie, um lachend vom Sofa zu fallen und einem fröhlichen Abend mit guten Freunden die gewisse Würze zu verleihen.

Wo hingegen ernsthaft über den Absatz von Waren bei fehlendem Export und mangelhaftem Binnenmarkt nachgedacht werden muss, wir die Erkenntnis reifen, daß unsere Ökonomie nicht umhin kann, den Binnenmarkt durch hohe Einkommen und ein hohes Grundeinkommen für die von der unvermeidlichen Rationalisierung betroffen Menschen kräftig anzukurbeln. Denn daß die Kanzlerdarsteller Heinrich Brüning und Gerhard Schröder mir ihren fast identischen Massenverarmungsprogrammen gescheitert sind, und daß beide mit ihren lediglich um Jahrzehnte, aber nicht um Inhalte verschobenen Programmen für kräftigen Zuwachs bei faschistischen Parteien sorgten, ist inzwischen selbst im kleinsten Dörfchen angekommen.

Wir sollten auf Jim O'Neill und Götz Werner hören, dann bleibt uns das erspart, was Heinrich Brüning mit seiner Politik und seinen Treffen mit Adolf Hitler beabsichtigte und selbstzerstörerisch erreichte.

Tipp 1: Hartz IV löst nur Leid aus! - Götz Werner im Interview (externer Link, taz.de)

Tipp 2: Warum nur lahmt der Binnenmarkt? (Stattnetz-Artikel vom 14.06.2005)

 

Appendix

Frage: Ist es eine hinreichende Begründung ein Mensch zu sein, um genügend Geld zu bekommen, als Mensch leben zu dürfen?
Quelle der Frage: selbstgestellt

Antwort: Nicht mehr Ursachen der natürlichen Dinge dürfen in den Beweisgang eingeführt werden als die, die wahr sind und zur Erklärung ihrer Erscheinungen zureichen.
Die Philosophen sagen ja: die Natur tut nichts überflüssigerweise; überflüssigerweise aber geschieht durch mehr (Ursachen), was durch weniger geschehen kann. Die Natur ist nämlich einfach und treibt keinen Luxus mit überschüssigen Ursachen der Dinge.
Quelle der Antwort: Erster Leitsatz des Philosophierens der "mathematischen Grundlagen der Naturphilosophie" von Isaac Newton, Erstveröffentlichung A.D. 1687, London (hier zitiert aus "ISAAC NEWTON - Mathemathische Grundlagen der Naturphilosophie" - PHILOSOPHISCHE BIBLIOTHEK - FELIX MEINER VERLAG / Hamburg, 1988)


URL dieser Seite: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/binnenmarkt_taler.htm

 

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Christian Wetter 05. 12. 2006

 
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