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Fußball, Zonen-Geli und die Hände zum Himmel

Bremen, 30.06. 2006

Nichts gegen ein gutes Fußballspiel, aber das habe ich trotz zwei Viererreihen in der Abwehr und dem nach Sprache suchend rudernden Gebrabbel des Fernsehsprechers Beckmann über den "Sieg des Willens" (Zitat Beckmann) anläßlich der WM Begnegung der deutschen Nationalmannschaft mit der Argentiniens nicht gesehen. Gut, mit den zwei Vierereihen in der Verteidigung und viel Glück im Elfer-Schießen hat die DFB-Auswahl innerhalb der FIFA-WM (es gibt aber auch noch die viel wichtigere Bolz-WM!) das durch kuriose Schiedsrichterentscheidungen durchaus umstrittene Halbfinale errreicht. Die FIFA ist nicht alles, aber sehr viel, wenn es darum geht, an Kinderarbeit schmarotzend zu parasitieren.

Nun gut, die DFB-Auswahl, kurz "Deutschland" kam weiter, wie man so sagt, der nationalkonservative Fernsehsprecher Beckmann sprach von "Deutschland"...

Nun, ich bin eh nicht Deutschland! Beckmann ist offenbar Deutschland, und so ließ der Hobby-Nationalrevolutionär auch bewußt unkommentiert, daß das Publikum auf Befehl des Stadion-DJs das bekloppte Liedchen "die Hände zum Himmel und laßt uns fröhlich sein" direkt im Anschluß an das Elfer-Schießen national-besoffen gröhlte. Gelegentlich faselte er wirr von seiner Freude über die neuerliche Mode des Singens der Hymne, von Flaggen und von Autokorsos. Was in Deutschland geschah, als auf Befehl des Kapitals der Pöbel schonmal die Hände zum Hittel erhob, verschwieg Beckmann so arglistig wie fordergründig promilleselig.

Aber unterstellen wir den "Fans" mal kein Bewußtsein, denn es handelt sich um deutsche Fans, und Deutsche haben nie von was gewußt, weder als die SPD 1919 Konzentrationslager für Juden forderte, noch als die NSDAP nach 1933 in diese KZ Gaskammern einbauen ließ. Deutsche Fans wissen nie von etwas, sie wußten auch beim "Wunder von Bern" nicht, daß es international mit Grund als unschicklich galt, jene Strophe des Deutschlandliedes zu singen, in der es von der Maas bis an die Memel geht...

Aber, letzte Hoffnung, vielleicht irre ich ja über den Charakter der Deutschen. Womöglich haben sie nur einer Mannschaft zugejubelt und dabei jene Fähnchen geschwenkt, die in ein paar Wochen als Empörungsbedarf dienen können, wenn es darum geht, der Kanzlerin, die schon vor ihrer Wahl deutlich machte, daß ihrer Auffassung nach "Deutschland wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie" habe, die rote Karte und den Platzverweis zu erteilen...

Was meinen Sie, wie ich mich freuen würde, wenn die Deutschen diesmal die Fähnchen nur wegen sportlicher Leistung schwenken würden, um diese Pisslappen angesichts der radikalkapitalistischen Politik des Merkels in ein paar Wochen öffentlich in Massen zu verbrennen!


"Die Hände zum Himmel..."
(Bildquelle: Titelbild der "konkret", Heft 11, November 2005)


Ich soll Deutschland sein? Nö, ich bin doch nicht doof!

Tipp 1: Niederlande: die Rückkehr des KZ

Tipp 2: Integration durch Anpassung?

Tipp 3: Zonen-Geli im Glück: Kanzler gewinnt Misstrauen


URL dieser Seite: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/denn_du_bist_doof.htm

 

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© Christian Wetter 30.06. 2006

 
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