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Fragen an ein Aktionsbündnis |
Göttingen, 23.10. 2003 | |
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Seit kurzer Zeit haben wir ja in Göttingen ein Aktionsbündnis "Für eine starke Universität Göttingen". Dies hat es sich zur AUfgabe gemacht, den von massiven Kürzungen bedrohten größten Arbeitgeber der Stadt, die Georgia Augusta vor wirtschaftlicher Ungemach zu bewahren. Sicherlich mit einer gewissen Berechtigung, doch ist die Uni ja nicht nur Jobmotor, sondern auch Jobvernichter. Wer hier Arbeit sucht, geht meist leer aus. Arbeitgeber bevorzugen die billigen Studenten, was bei der stets weit im zweistelligen Bereich liegenden Arbeitslosigkeit zu einer dramatischen Lücke in der Verteilungsgerechtigkeit führt. Die meist weit unterhalb des Sozialhilfeniveaus lebenden Arbeitslosen gehen leer aus und entwickeln einen neidvollen Hass auf alles akademische. Was da gerade bei wieder steigenden Studierendenzahlen auf uns zukommt, ist klar. Nichts Gutes für den sozialen Frieden in Stadt und Region. Immerhin, noch hat es keine Übergriffe von aufgebrachten Arbeitslosen auf universitäre Einrichtungen gegeben, aber auch das scheint nur eine Frage der Zeit. Raubüberfälle auf Studenten sind da schon eher an der Tagesordnung. Grund genug, mal bei dem auf der Ver.di-Homepage vertretenen Aktionsbündnis nachzufragen, Sprecherin oder Sprecher ist da zwar nicht genannt, aber Ver.di wird meine Mail schon an die entsprechende Stelle weiterleiten. (Das hat bei der Frage ans Verteidigungsministerium ja auch ganz flott geklappt, wegen Urlaubs eines Mitarbeiters zwar 48 Stunden, aber man hat sich ja auch dafür entschuldigt, dass es so lange war.) Hier also die Frage, gestellt am 23.10.2003:
Sehr geehrte Damen und Herren, in meiner Funktion als Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazines www.stattnetz.de würde mich sehr interessieren, ob es bei Ihren Aktivitäten als Aktionsbündnis 'Für eine starke Universität Göttingen' lediglich um Absicherung der Mittel aus dem Landeshaushalt geht, oder ob auch angestrebt wird, eine weitere konstruktive Einbindung der Uni in das soziale Miteinander in der Stadt Göttingen zu erreichen. Derzeit wachsen ja die Spannungen zwischen "normalen" Göttingern und der Uni, dies vor allem dadurch, dass die Mehrheit der ortsansässigen Arbeitgeber mögliche Vollzeitstellen auf mehrere Studentenjobs splitten und so Mitarbeiter ohne Kündigungsschutz zu billigsten Konditionen haben. Selbst das Arbeitsamt, welches Vollzeitstellen nur in den allerseltensten Fällen vermitteln kann, besteht darauf, Teilzeitstellen, die für viele der meist unterhalb des Sozialhilfeniveaus vegetierenden Erwerbslosen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität inklusive der Gesundheitsaspekte und der Lebenserwartung bringen könnten, fast ausschließlich an Studenten und Studentinnen, welche nie Beiträge an die Bundesanstalt entrichteten, zu vermitteln. Wie Sie sich sicherlich denken können, sind die möglichen sozialen Spannungen, die aus der Anwesenheit eines so mächtigen Jobvernichters, wie es die Universität in Göttingen darstellt, nicht ohne. Soziale Strömungen, die Bildung und Intelligenz aus der Verteilungsungerechtigkeit heraus geringschätzen, haben schon Kambodscha in den Ruin getrieben. Gibt es Bestrebungen seitens Ihres Bündisses, die Verteilungsgerechtigkeit auf dem Göttinger Arbeitsmarkt wiederherzustellen? mit freundlichen Grüßen,
Ergänzung 07.11.2003: Inzwischen haben ja schon zwei größere Demonstrationen gegen die Kürzungen bei den Unis in Niedersachsen stattgefunden. Langsam beginnen die Studierenden auch eigene Forderungen nach Abschaffung der Studiengebühren etc. einzubringen. Die Bestrebungen zur Entsolidarisierung der Gesellschaft scheinen nicht mehr aufzugehen. Hoffen wir mal, dass die Studis es schaffen, Studiengebühren zu kippen und vielleicht sogar ein brauchbares BaföG-Modell zu erkämpfen. Denn wer zu Billiglöhnen schuften muss, wird nicht nur von Arbeitgeber als Lohndrücker mißbraucht, er verliert wichtige Zeit und Energie für das Studium, welches ja keine Schmalspurausbildung sein sollte, sondern zu umfassender Bildung, auch über den Fachbereich hinaus, beitragen sollte. Also alles Solidarität für die Studis! Ergänzung 08.11.2003: Kommentierte Polizeimeldung zu Raubüberfall auf Studenten [23.10.2003 - 13:15 Uhr] Göttingen (jk) - Ein 22 Jahre alter Student aus Göttingen ist Dienstag Nacht (21.10.03) gegen 02.00 Uhr auf dem Weg von der Innenstadt zum Campus von zwei unbekannten jungen Männern überfallen und ausgeraubt worden. Bei dem Überfall wurde der 22 Jährige leicht verletzt. Wie der Geschädigte gegenüber der Polizei angab, war er gerade auf dem Weg zu seinem Fahrrad, als er von den beiden Unbekannten von hinten geschubst wurde und zu Boden fiel. Zuvor hatte ihn einer der Angreifer angesprochen und u.a. gefragt, ob er ein Handy habe. Als er bäuchlings auf dem Boden lag, so das Opfer, knieten sich beide Männer auf ihn und hielten seine Arme fest. Anschließend schlugen sie mit den Fäusten mehrfach auf den Wehrlosen ein. Einer der Täter raubte dem Studenten schließlich das Portemonnaie, bevor sie aufstanden und Wegliefen. Da sich der Überfallene nach eigenen Angaben in Göttingen überhaupt nicht auskennt, ist der genaue Tatort des Überfalles bislang unbekannt. Täterbeschreibung: 1) 17 bis 19 Jahre alt, ca. 170 cm groß, schlank, dunkle, kurze Haare, dunkle Augen; 2) 17 bis 19 Jahre alt, ca. 180 cm groß, dunkelblondes Haar. Beide sprachen Deutsch mit ausländischem Akzent. Die Polizei Göttingen sucht Zeugen des Überfalles
und bittet unter ots-Originaltext: Polizei Göttingen (etwas merkwürdig ist schon, dass nie auf "bayrischen", "berliner", oder "us-amerikanischen" Akzent hingewiesen wird, etwa in der Art: Gesucht wird das mutmaßliche Mitglied der Presseberichten zufolge neonazistischen Gruppierung "Skulls and Bones" George Walker B., der Gesuchte steht im Verdacht des fortgesetzten Völkermordes, des Angriffskrieges und anderer Verstöße gegen das Völkerrecht. Er spricht sehr schlecht, mit kaum verständlichen us-amerikanischen Akzent texanischer Färbung, auffällig ist die agrammatikalische Ausdrucksweise...)
Tipp vom 20.11. 2003 Kultur am Scheideweg - zwischen Zivilisation und Barbarei URL dieser Seite: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/fragen_aktionsbündnis_uni.htm
Macht uns reich! Schenkt uns Geld!
Christian Wetter, 23.10. 2003 (ergänzt am 08.11.2003) |
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