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Mad Max in Big Easy
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Bremen, den 01.09.2005 |
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In Big Easy, dem untergegangenen New Orleans, spielen sich derzeit Szenen ab, wie aus einen Mad Max Film. Der Hurrican Karina verwüstete mit seinem Sturm, seinen Regenmassen und einer 9 Meter hohen Flutwelle weite Teile der US-amerikanischen Golfküste. Das in einer Senke unterhalb des Meeresspiegels gelegene New Orleans ist nach Deichbrüchen vollkommen überflutet. Viele Menschen konnten sich trotz allgemeiner Evakuierung nicht in Sicherheit bringen. Die Behörden der angeblich letzten und größten Supermacht der Erde sind zwar in der Lage, eine Zwangsevakuierung anzuordnen, sie umzusetzen scheiterten sie. Nur wer über den hohen Wohlstand verfügte, ein Auto zu besitzen, war überhaupt in der Lage, der Anordnung Folge zu leisten. Die Notwendigkeit der Flucht war so groß, dass die Polizei Flüchtende in gestohlenen Fahrzeugen passieren ließ, ihnen gar versicherte, dass sie unbelangt blieben, wenn sie denn nur Bitte schön endlich wegführen. Ähnliches in den Tagen nach dem Hurrican, als Lebensmittel und Trinkwasser knapp wurden. Mundraub wurde begünstigt, um die Bevölkerung überhaupt am Leben halten zu können. Nur Puristen schreien in einer apokalyptischen Szene noch nach dem Strafrecht und der Pflicht der Behörden, zwischen Mundraub und Plünderei zu unterscheiden. In einer dem Untergang geweihten Stadt bestraft sich der Dieb eines Fernsehapparates schon dadurch, dass es etwas schleppt, was er vermutlich nie aus der Stadt wird schleppen können, während andere die Versorgung ihrer Angehörigen sichern. Selbst die Waffenläden sind geplündert, der martialische Kampf ums Dasein in einer fliehenswerten Welt hat begonnen. Manch einer glaubt schon, dass Schüsse auf Armeehubschrauber diese dazu überreden könnten, sich vornehmlich der Rettung der eigenen Angehörigen zu widmen. Mad Max stapft vergewaltigend durch die hüfthohe Kloakenbrühe mit dem Gestank nach Verwesung, Öl und Chemie, in die sich Big Easy innerhalb weniger Stunden verwandelte, und nimmt den Kampf auf mit Alligatoren, Schlangen, Haien, Nachbarn und Hubschraubern, die einfach nicht so fliegen wollen, wie er es sich wünscht. Amerika steht über Nacht an einem Schicksalspunkt. In aus Not geborener Einsicht verliert der Eigentumsbegriff den Terminus und wandelt sich zu materiellen Gütern, auf die Menschen wegen ihres Menschseins einen lebensrettenden Anspruch haben. Noch etwas ändert sich in den USA, durch die Zerstörung zahlreicher Ölbohrplattformen im Golf und der Zerstörung vieler Raffinerien droht den USA eine Energiekrise. Plötzlich steht Benzin nicht mehr unbegrenzt zu Spottpreisen zur Verfügung. Erstmalig wird wahrgenommen, dass es nicht reicht, Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen in Ländern zu bombardieren, die man auf der Landkarte nicht findet, um mobil zu sein. Gewöhnt an Terroranschläge aus dem Hinterhalt war die Bevölkerung darauf eingestellt, dass die militärische Supermacht doch zumindest Rache üben konnte gegen die Achse des Bösen. Jetzt hat die amoralische Naturgewalt genau diese Supermacht blamiert. Eine prognostizierte Katastrophe ist eingetreten, hat Millionen Menschen obdachlos gemacht und in bitterstes Elend gestürzt, hat die Energieversorgung auf den Prüftstand gestellt und eine ganze Region der Fläche Großbritanniens in die Barbarei gestoßen. Doch es ist niemand da, an dem man sich rächen könnte. Der gesamte Militärapparat, mit dem die USA jedem anderen Land der Welt ihren Willen aufzwingen zu können glauben, ist plötzlich zu nichts nütze. Keinem der Hungernden und vom Tode bedrohten ist mit dem Einsatz von Marschflugkörpern, Atomraketen und Flugzeugträgern geholfen. Die Behörden schaffen es noch nichteinmal, die Toten zu bergen und in gekalkten Massengräbern zu bestatten, um die Seuchengefahr zu bannen. Vor dem eigenen Volk blamiert zieht die Supermacht den Zorn des selben auf sich. Manch ein Politiker konnte sich schon durch gut organisierte Katastrophenhilfe aus der politischen Krise retten. Die Erwartung, dass diese zu organisieren ist, ist in vielen Völkern verankert. Im alten China war es Aufgabe des Herrschers, die Harmonie zwischen Kosmos und Menschen zu garantieren. Naturkatastrophen führten dort selbst in sehr autoritär orientierten Phasen der Geschichte zur Revolution. Ähnliches droht jetzt der Elite der USA, nur mächtig, den Tod in andere Länder zu tragen ist der Staat ohnmächtig, wenn es darum geht, seine eigene Bevölkerung in der Krise zu retten. Wen der Nimbus der Macht verläßt, der steht schnell verloren da!
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Macht mich reich! Schenkt mir Geld!
© Christian Wetter 01.09.2005 |
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