home > Politik > Zum 30. Todestag von Ulrike Marie Meinhof

In Memorandum Ulrike Meinhof

Bremen, 08.05.2006.

Vor 30 Jahren, am 9. Mai 1976 starb die bekannte Journalistin Ulrike Marie Meinhof unter bis heute äußerst merkwürdigen Umständen in ihrer Isolationszelle in Stuttgart-Stammheim.

Noch heute ist sie in der öffentlichen Diskussion stets die "Terroristin", "Geisteskranke", "Verwirrte" und "Querulantin". Im Bewußtsein der wohl meisten Angehörigen des bundesrepublikanischen Stimmviehs ist sie als diejenige verankert, die Gewalt in die politische Auseindersetzung brachte.

Peinlichst wird darauf geachtet, dass in den Massenmedien nie erwähnt wird, dass es nicht Ulrike Meinhof war, sondern der Mitarbeiter des Verfassungsschutzes PETER URBACH, der in Ausübung seines Dienstes Brandsätze zu den Demonstrationen gegen die Volksverhetzung des Axel-Springer-Verlages mitbrachte. Niemand soll wissen, dass es der Verfassungsschützer Peter Urbach war, der 1969 das "subkulturelle" Berlin mit Morphinbase für die Rauschgiftherstellung versorgte, es soll verschwiegen bleiben, dass es der Verfassungsschützer Peter Urbach war, der die Sprengsätze für zahllose Anschläge besorgte, dass er es war, der damals viele Menschen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung aufhetzte, dass er Gewalt als Lösung propagierte und Schußwaffen verteilte und nicht Ulrike Meinhof.

Weder Peter Urbach noch seine Vorgesetzten sind je als Terroristen mit Plakaten und massenmedialer Hatz gejagt worden, weder er noch noch seine dunklen Hintermänner wurden je in Schauprozessen angeklagt und verurteilt. Der Terrorist Peter Urbach bekam vom damaligen Verfassungsschutz eine neue Identität geschenkt und verbringt seinen Lebensabend vermutlich als "netter Nachbar" in den USA.

Gehetzt, angeklagt und verurteilt wurde Ulrike Meinhof.

Ja, sie hat 1970 an der "Befreiung" von Andreas Baader teilgenommen, ja, ein "Mittäter" hat auf einen Justizbeamten geschossen. Ja, sie lebte nachdem die mediale Jagd auf sie 1970 begann bis zu ihrer Verhaftung 1972 im Untergund. Und ja, in der Zeit des Untergrundes war sie selbst für das anfällig, was sie bisher bekämpfte, nämlich die Ideologie über die Menschlichkeit zu stellen.

Aber war es nicht der damalige Verfassungsschutz, der zielgerichtet mit seinen Agenten der Urbach-Bande auf diese Gewalt hingearbeitet hatte?

Als nichts mehr verfing in der öffentlichen Diskussion der damaligen Zeit, wurden gezielt Menschen in die Kriminalität bugsiert. Den brillanten Arbeiten der Journalistin Ulrike Marie Meinhof hatte die Diktatur nichts entgegen zu setzen, die "Terroristin" Ulrike Meinhof konnte gejagt und mit den Mitteln des billigsten Populismus demontiert werden.

Jeglicher Versuch darauf hinzuweisen, dass und was sie in ihrer journalistischen Arbeit leistete, z.B. ihr damals aus "Bambule" bekanntes Engagement für Heimkinder, wird heute gerne und umfangreich unterbunden.

Selbst einem betont unpolitischen Marcel Reich-Ranicky wurde im Mai 2005 bei der Angehörigen der extremistischen Kapitalisten-Bande "Initiative Neue soziale Marktwirtschaft", Sabine Christiansen, in das Wort gefallen, als er vor laufender Kamera und unter den entsetzten Augen des in Herrenmenschenmanier auftretenden Richard "von" Weizsäcker erzählte, der erste Mensch, der sich wirklich für seine Erlebnisse im Warschauer Ghetto interessiert habe, sei eine junge Radio-Journalistin des Norddeutschen Rundfunks gewesen, ihr Name: Ulrike Meinhof.

Sofort zuckte das Bandenmitglied Sabine Christiansen wie von der Tarantel gestochen zusammen und schrie: "Wir wissen sehr wohl, wer Ulrike Meinhof war!"

Als der bekannte Literaturkritiker hinzufügte, dass sie es eben nicht wisse, dass Ulrike Meinhof eben nicht nur die Terroristin ihrer letzten Lebensjahre gewesen sei, drohte die Runde zu eskalieren.

Eine Wahrheit drohte über den Sender zu gehen, und wenn die Runde von Christiansen eine Aufgabe hat, dann gewiß nicht die Verbreitung von Wahrheit.

Etwas dunkles durchzieht diese Republik wie ein brauner Faden, etwas, das niemand wissen soll.

 

Literaturtipp 1: Ulrike Marie Meinhof: "Die Würde des Menschen ist antastbar - Aufsätze und Polemiken" (externer Link, www.amazon.de)

Literaturtipp 2: Ulrike Marie Meinhof: "Bambule. Fürsorge - Sorge für wen?" (externer Link, www.amazon.de)

Literaturtipp 3: Mario Krebs, "Ulrike Meinhof - Ein Leben im Widerspruch"


Link-Tipp 1: Das versuchte Bombenattentat auf die Jüdische Gemeinde am 9. November 1969, u.a. die Mitwirkung des Verfassungschützers Peter Urbach daran (externer Link, Rundfunk Berlin-Brandenburg, www.rbb-online.de)

Link-Tipp 2: Bericht der Internationalen Untersuchungskommission zum Tod von Ulrike Meinhof (externer Link, www.nadir.org)

Link-Tipp 3: Stellungnahme englischer Ärzte vom 13. 8. 1976 (ebenda)

Link-Tipp 4: Von Werwölfen und anderen (Stattnetz-Artikel vom 23.07.2005)

Link-Tipp 5: Kapital und Faschismus (Stattnetz-Artikel vom 06.05.2005)

Link-Tipp 6: Was ist Finanzterrorismus? (Stattnetz-Artikel vom 13.05.2005)

Link-Tipp 7: In den Mühlen der Fürsorge - Folter und Zwangsarbeit in bundesdeutschen Kinderheimen (externer Link, www.heise.de) <eingefügt am 18.05.2006>


URL dieser Seite: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/meinhof_30.htm

 

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Christian Wetter 08.05.2006

 
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