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Der positionslose Streik

Bremen, 06.03.2006

Viele Jahre lang verzichteten die bürgerlichen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes auf Streiks, mittlerweile waren die Streikkassen gefüllt bis zum Bersten.

Eine Gewerkschaftsbewegung mit eigenen Zielen und Forderungen hätte dies fraglos genutzt, um mit dieser Macht die eigenen Positionen durchzusetzen. Doch leider hat ver.di keine Positionen, weder beim Kampf für soziale Gerechtigkeit noch bei dem um mehr Arbeitsplätze und bessere Arbeitsbedingungen. Da ist ver.di um nichts besser als alle anderen bürgerlichen Gewerkschaften, von denen manche so richtig glücklich sind, wenn sie Tariflöhne weit unter € 3,- erkämpfen.

Erinnern wir uns kurz an die Aktionen der bürgerlichen Gewerkschaften der letzten Jahre, Großdemontrationen und soziale Bewegungen wurden stets so lange als möglich versucht zu verhindern, wenn dies nicht gelang kurzerhand einer "feindlichen Übernahme" unterworfen und dann flugs für beendet erklärt.

Irgendwie war man zwar schon gegen Sozial- und Bildungsabbau, aber doch bitte nicht Bildung und Wohlstand für alle fordern, wenn es auch Dummheit und Armut für die meisten geben kann.

Nun haben die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes erkannt, dass seitens der bürgerlichen Gewerkschaften allerhöchstens mit windelweichem Waschlappen-Negationismus zu rechnen ist, aber nie wieder mit machtbewußtem Durchsetzen von Positionen zu rechnen ist. Klar, dass die Arbeitgeberseite dies zu nutzen versteht und das Heft des Handelns übernimmt. Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, gerne auch gleich auf die 42-Stunden-Woche nach thüringer Würstchenvorbild, dort auch gleich jubelnd von den bürgerlichen Gewerkschaften begrüßt.

Um sich für kommende Auseindersetzungen zu lähmen, sprich die Streikkassen so richtig sinnlos zu verprassen streikt ver.di gegen 18 Minuten Mehrarbeit pro Tag, dabei im Auftreten so negationistisch wie immer in den letzten Jahren. Auf die Idee, eine Arbeitszeit zu fordern, bei der Vollbeschäftigung möglich wäre, also maximal 20 Stunden pro Woche, kommt keiner, warum auch, das wäre ja sinnvoll.

Einziges Ziel des Streiks scheint wirklich zu sein, die Streikkassen zu plündern um dann großspurig erklären zu können, man habe die Arbeitgeber gezwungen deren Position durchzusetzen... Vorsichtshalber halten sich auch alle anderen bürgerlichen Gewerkschaften mit Solidaritätsbekundungen zurück, es gibt keine gemeinsamen Großdemos, es werden weder Symbole der Arbeitgeber noch Strohpuppen derer Führer verbrannt, alles was weltweit von erfolgsorientierten Demonstranten äußerst erfolgreich eingesetzt wird hat auf Befehl der Führer zu unterbleiben. Denn so wie man keine Positionen sondern nur Negationen hat, wünscht man sich nichts sehnlicher als die Befriedigung des organisierten Masochismus durch schmähliches Scheitern.

Naja, Scheitern bedeutet dies für die betroffenen Menschen, für die von diesen deutlich zu unterscheidenden Gewerkschaftsbonzen mit ihren Pöstchen in Aufsichtsräten, kostenlosen Bordellbesuchen und Parteiämtern ist es der Erfolg per se. "Melden gehorsamst, soziale Bewegung BRD vollständig aufgerieben!", so klingt es dann wohl in trauter Runde beim kollektiven Besteigen von Sex-Sklavinnen Seit' an Seit' mit den Arbeitgeber-Vertretern, ganz nach Vorbild der Hurenbock-Affaire bei Volkswagen...

Nicht nur Müll kann zum Himmel stinken!

 

Tipp 1: Proteste gegen Sozialabbau am 20.10.2003

Tipp 2: Großdemo am 01.11.2003

Tipp 3: Fundsache: Forderungen

Tipp 4: Galoppierende Produktivität und eine Analyse der Konzepte des Ökonomen Jeremy Rifkín

Tipp 5: Wem gehört das Kapital?


 

URL dieser Seite: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/negationismus.htm

 

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Macht uns reich! Schenkt uns Geld!

 


Christian Wetter 06.03.2006

 
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