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Proteste gegen Sozialabbau |
Göttingen, den 22.10.2003 | |
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Am 20. Oktober fanden auch hier in Göttingen Proteste gegen den asozialen Kahlschlag des Schröder-Regimes statt. Wegen Erkältung kam ich erst sehr spät dazu, und das auch nur deshalb, weil ich mich zwecks Versorgung mit Papiertaschentüchern und Vitaminen eh in der Stadt befandt. Sonst hätte ich mich eher kuriert. Zwei Fragen kommen mir zu den Protesten in den Sinn. Die erste ist die danach, ob Proteste überhaupt angemessen sind. Die beantworte ich mit einem klaren "Ja". Die zweite ist die nach dem Zeitpunkt. Den halte ich für komplett verfehlt, weil um Monate, wenn nicht gar Jahre verspätet. Lediglich die zeitnahe Mobilisierung der NPD und der "freien" Kameradschaften in ganz Bayern auf den zahlensymbolträchtigen 18.10. wird bei unseren trägen, von Subjekten mit rosa und grünem Parteibuch unterwanderten Verbänden (namentlich den Gewerkschaften) den Ausschlag gegeben haben, überhaupt zu demonstrieren. Denn wenn schon die NPD gegen Sozialabau und Kapitalismus demonstriert, muss man handeln. Ansonsten hätten Demonstrationen gegen Rechts ja den Beigeschmack der Befürwortung des Sozialkahlschlages, eine Vorliebe, die man so offen nicht zeigen möchte. Immerhin möchte man ja in Ruhe auf seinen Verbandspöstchen sitzen und nicht auf der Straße von Arbeitslosen und anderen vom Schröder-Regime in die Armut getriebenen Leuten angespuckt werden. Gewisse Kreise in und um Ver.di, die eine weitere Demo am 1.11. in Berlin schon im Vorfeld haben verhindern wollen, haben sich jetzt allem Anschein nach in altbewährter Putschistenmanier an die Spitze begeben, damit auch ja die Angehörigen der wohl verfassungsfeindlichsten Regierung seit Gründung der BRD die Veranstaltung für sich instrumentalisieren können. Dass diese Kreise alles in ihrer Macht
stehende unternehmen, der rechtsextremen NPD weiteren Zulauf zu besorgen,
wenn diese als letzte Kraft in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird,
die sich organisiert gegen Sozialabbau wendet, zeigt nur zu deutlich,
was nicht nur im Wasserfarbenkasten geschieht, wenn Rot und Grün
vermischt werden. Würden die Gewerkschaften und Verbände diesen
Zulauf für die NPD nicht wollen, sie hätten sich schon vor Jahren
gegen Schröders antisoziale Politik zur Wehr gesetzt, denn nur so
wäre dieser zu verhindern gewesen. Schon bei den Erwerbslosenprotesten
des Jahres 1998 wurde mir gegenüber eingeräumt, es ginge nur
um den Sturz Kohls, nach einer Wahl Schröders würde man auch
bei gleicher Politik die Proteste einstellen. Auch damals lebte ich in
Göttingen, und gerade wir hier in Niedersachsen wussten, wer Schröder
ist und was er wollte und will. In nur wenigen Augenblicken meines Lebens
fühlte ich mich so sehr mißbraucht und gedemütigt wie
damals. Einen Gegenbeweis können sie jederzeit antreten, meinetwegen können sie auch mit dem Sturz des Regimes einem Putsch zuvorkommen. Bei einer konservativen Regierung fällt dann auch ihnen der Protest leichter und dieser wird meist mehr bewirken. Man muss Georg Fülberth in seiner Analyse im "Freitag" zustimmen, dass der vielleicht einzige Oppositionelle, dessen Verzweiflung derzeit zum Nennwert genommen werden darf, Norbert Blüm ist. Ist das nicht absurd????
URL dieser Seite: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/proteste_20_10.htm
Macht uns reich! Schenkt uns Geld!
Christian Wetter, 22.10. 2003 (überarbeitet 23.10.) |
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