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Rasse zu verkaufen?

Bremen, 12.11.2005

überarbeitet 26.11.'05

Es gibt Tage, da möchte man Rekorde im Weitkotzen aufstellen.

Dass viele Medien sich liebedienerisch zwischen den Pobacken der Mächtigen bewegen, ist eigentlich altbekannt; dass niemand offen darüber reden würde, ist eine Vorstellung, die mir unbekannt ist.

Dennoch gibt es Leute, die es ganz erstaunlich finden, wenn mal jemand von den Medien "auspackt". Da laß ich in den Online-Texten zur 61. Bremer Montagsdemo, dass jemand einen John Swainton bewundere, für dessen Offenheit, und sich dann gleich dessen Gesinnung für die lokale Presse wünschte.

Eins vorweg: Das folgende Zitat geht auf eine Rede zurück, die ein John Swainton, den frühesten Quellen zufolge als scheidender Herausgeber der New York Times 1953 vor dem New Yorker Presseclub gehalten haben soll. Dann gibt es noch Quellen, die als Datierung der Rede mal 1980, 1960 oder um 1920 nennen. Der Verdacht absolut fehlender Seriösität des Zitates ließ mich ein wenig recherchieren. Neuere "Quellen" behaupten gar, ein John Swainton habe die "Rede" 1870 gehalten. Für diesen Artikel beziehe ich mich daher auf die Jahreszahl 1870.

Allerdings, es gibt gar keinen John Swainton in der Funktion des Herausgebers der New York Times, und es hat auch nie einen gegeben! Aufgedeckt wurde dies von Robert Anton Wilson. (vgl. auch: Geschichte der NYT und ihrer Herausgeber)

Tipp: Robert Anton Wilson, Das Lexikon der Verschwörungstheorien - Verschwörungen, Intrigen, Geheimbünde - Taschenbuchausgabe erschienen bei Piper Verlag, München, Februar 2002; Orginalausgabe Eichborn-Verlag, Frankfurt am Main, 2000

Ungeachtet seiner leicht belegbaren Nichtexistenz wird dieser Swainton sehr häufig von Rechtsradikalen zitiert und als Beleg für die "jüdische Weltverschwörung" etc. herangezogen...

Nun, was hat der erfundene John Swainton, angeblich irgendwann einmal Herausgeber der New York Times, angeblich so "tolles" gesagt?

Hier - Zitat:

„Eine freie Presse gibt es nicht. Sie, liebe Freunde, wissen das, und ich weiß es gleichfalls. Nicht ein Einziger unter Ihnen würde es wagen, seine Meinung ehrlich und offen zu sagen. Das Gewerbe eines Publizisten ist es vielmehr, die Wahrheit zu zerstören, geradezu zu lügen, zu verdrehen, zu verleumden, zu Füßen des Mammon zu kuschen und sich selbst und sein Land und seine Rasse um des täglichen Brotes willen wieder und wieder zu verkaufen. Wir sind Werkzeuge und Hörige der Finanzgewaltigen hinter den Kulissen. Wir sind die Marionetten, die hüpfen und tanzen, wenn sie am Draht ziehen. Unser Können, unsere Fähigkeiten und selbst unser Leben gehören diesen Männern. Wir sind nichts als intellektuelle Prostituierte!“

Zitatende

 

Der Mammon, die Finanzgewaltigen, die Fähigkeiten sind auch schon da, es fehlt die Konkretisierung des "Weltfinanzjudentums" und diverser bolschewistischer Verschwörungen, aber dafür wird Bedrohung empfunden, die eigene Rasse und das eigene Land, welches ja natürlich eng an die Rasse geknüpft ist, ist in Gefahr!

Ja sapperlot!

Kann denn dieser Kapitalismus sich nicht darauf beschränken, Obdachlose, Einwanderer und Hochbegabte verhungern zu lassen? Muss er einen denn zu allem Überfluss und Müllberg auch noch zwingen, das eigene Land, von dem Journalisten mehr zu besitzen zu scheinen als die Bauern, zu verkaufen?

Wo sollen denn dann die schönen großen Erdäpfel wachsen, mit denen man, landauf, landab, wegen deren Volumen berühmt ist?

Nicht nur das Land muss man wegen diesen Geldleuten verkaufen, nein gar seine Rasse! Da kommt man morgens vom Markt, und schwups, ist die ganze Rasse weg!

Da steht man da, hat nichts anständiges gelernt, und dann hat man noch nicht mal mehr 'ne Rasse! Da hat es ja jeder Neger besser, dröhnt es zwischen den Zeilen Swaintons!

Dass er seinen Erguß an Blödheit angeblich ungefähr 1870 anläßlich seiner Verabschiedung von der New York Times abließ, zeigt, in welchen Strukuren sein Erfinder dachte. Wer solche Aussagen im unmittelbaren historischen Umfeld des amerikanischen Bürgerkrieges um die Befreiung der Sklaven tätigt, zeigt, wes Geistes Kind er ist. Offenkundig hat der Erfinder Swaintons es nie verdaut, dass "seine" New York Times eher für die Politik Lincolns und gegen die feudalistisch-rassistischen Sklavenhalter eintrat. Dies in einer Zeit, in der das Krebsgeschwür des Antisemitismus zu wuchern begann, in der jede soziale Verwerfung von den Geisteskranken der Epoche auf die angebliche Finanzgewalt der Juden zurückgeführt wurde...

Also, wenn der Kapitalismus so lieb wäre, und wenigstens die Reinerhaltung der arischen Rasse betreiben und das erdäpfelige arische Land verschonen würde, ja dann, so scheint der angebliche Herr John Swainton zu denken, dann wäre der Kapitalismus schon fast zum Knutschen!

Es ist doch seltsam, schon Charles Darwin sah im Rassebegriff ein bloßes Konstrukt. Der Rassebegriff verwandelte die Welt für so viele zur Hölle auf Erden, und ausgerechnet auf einer Bremer Montagsdemo steht so ein dummes Huhn, quatscht von Rasse und will offensichtlich eine Gesellschaftsordnung, die derjenigen der Südstaaten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg entspricht...

Man sollte sich spaßeshalber auf den Wochenmarkt stellen, und seine Rasse zum Kauf anbieten: "Reinrassiger Bastard verkauft seine Rasse! Greifen Sie zu, werden Sie Bastard! Billiger, billiger, kaufen Sie Rasse, am Stück oder in Scheiben!"

 

P.S.: Frauen, die denken, sie hätten Rasse, haben schon qua Darwin keine, weil es keine gibt, und im anderen Wortsinne haben sie erst recht keine.

 

P.S. 2: Das Statt-Netz betreibe ich auch ohne wirtschaftlichen Erfolg, eben weil ich schreibe was ich denke. Es wird zwar viel gelesen, aber die große Kohle von den Superreichen kommt halt nicht herein. Wenn der erfundene Herr Swainton sich zur Hure macht, ist das eben seine Charakterschwäche. Der Kapitalismus ist eben ein bösartiges Krebsgeschwür. Mit Rassenhygiene und Blut-und-Boden-Ideologie kämpft man nicht gegen den Kapitalismus, sondern wird fest verschmolzener Teil des selben!

Tipp 1: Integration durch Anpassung?

Tipp 2: Zwangsprostitution (zur Verdeutlichung, was für einen Müll der fiktive Herr Swainton da von sich gibt)


Die New York Times und ihre Herausgeber (Quelle: New York Times):

18.09.1851: Gründung durch Henry J. Raymond und George Jones als "New York Daily Times"

1857: Umbenennung in New York Times

1896: Adolph Simon Ochs wird neuer Herausgeber

1935: Arthur Hays Sulzberger löst seinen Schwiegervater Ochs als Herausgeber und Verleger ab

1963: Arthur Ochs Sulzberger wird neuer Herausgeber

1992: Arthur Ochs Sulzberger jr. wird neuer Herausgeber

Die Familie Ochs Sulzberger ist noch heute mit 18% als Eigentümerin an der NYT beteiligt.

Ein "John Swainton" wird in dieser Auflistung ihrer Herausgeber durch die New York Times nicht genannt; es wäre auch sehr verwunderlich, wenn ausgerechnet die Zeitung, die Abraham Lincoln und seinen Kampf gegen die Sklaverei unterstützte, von einem rassistischen Arschloch herausgegeben worden wäre...

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URL dieses Artikels: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/rassenhandel.htm

 

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© Christian Wetter 12.11. 2005

 
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