| home > Politik > Analyse der Ideen Rifkins | ||
|
Analyse der Ideen Rifkins |
Bremen, den 06.08.2005 |
|
|
Kürzlich bestätigte der us-amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung zwei Gedanken, die mir schon seit Jahren bekannt sind, und zwar, dass es nie mehr wieder genug Arbeit für alle gibt, und dass sämtliche öffentlichen Diskurse des sozioökonomischen Wandels nix anderes sind als Scheindebatten. So stieg die weltweite Arbeitslosigkeit von 800 Millionen im Jahr 1995 auf weit über eine Milliarde im Jahr 2001, selbst in der angeblich boomenden "Volksrepublik" China verschwanden in den letzten sieben Jahren 15% aller Jobs. Der Grund für diese Entwicklung ist nicht nur laut Rifkin die ständig explodierende Produktivität im globalen Kapitalismus. Mit immer weniger Beschäftigten wird zu immer geringeren Löhnen immer mehr produziert, die Gewinne der wenigen Superreichen steigen immer schneller in immer größere Höhen, während die Masse immer stärker verarmt und verschuldet. Sehr gut beobachtet Rifkin, dass das derzeitige Wachstum in den USA und Großbritannien auf der Konsumverschuldung der Beschäftigten aufsattelt. Im naiven Glauben an die Heilsversprechen ihrer neoliberalen Diktatoren verschulden sich durchschnittliche Britische Arbeitnehmer jährlich mit 20 - 30% ihrer Jahresgehälter, ähnlich in den USA. Die kollektive Privatinsolvenz scheint durch nichts mehr zu verhindern. Nach Rifkins Prognose wird die Zahl der Privatinsolvenzen in den USA schon in diesem Jahr die der Ehescheidungen übersteigen. Um Rifkin zu ergänzen, sei erwähnt, dass auch hier in der Bundesrepublik die Zahl der Privatinsolvenzen ständig ansteigt, die Armut förmlich explodiert. Während die regierungsteu gleichgeschalteten Politmagizine des TV und Trash-Media-Sendungen à la Christiansen fröhlich auf die ach so faulen Arbeitslosen einprügeln und jeden zum Held der Republik zu stempeln trachten, der sich nicht wehrt, wenn er für 500 € Bruttolohn mehr als 160 Stunden pro Monat arbeiten soll, sinkt der Umsatz an Lebensmitteln selbst bei den Aldi-Märkten, im ersten Halbjahr allein um 4%. Die einzige Binnenmarkt-Branche mit deutlich zweistelligem Wachstum in der BRD sind die Tafeln, bei denen an Bedürftige kostenlos bzw. gegen geringe Gebühr Lebensmittel ausgegeben werden. Kurzum, Deutschland erlebt auf Befehl der Regierung gerade den Beginn einer Hungersnot. (Ansturm auf die Tafeln<externer Link, Montagsdemo Dortmund>) Genau wie ich in dem Artikel "Kultur am Scheideweg" befürchtet auch Rifkin, dass die grandiose Möglichkeit, vermittels der gigantischen Produktivität immer größere Massen von der Produktionsarbeit zu entlasten und für soziale, kulturelle und wissenschaftliche Arbeit freizustellen, aus Dummheit vertan wird, und unsere Zukunft eben nicht in der Hochkultur, sondern in der Barbarei liegt. Doch nicht nur Rifkin und mir scheint dies klar zu sein; von 150 Topmanagern, die Rifkins danach fragte, ob sie glaubten, ihren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, antworteten alle 150 mit einem klaren Nein. Alle wissen um die ständig steigende Produktivität, um die daraus resultierenden Chancen für eine mögliche Hochkultur, um die Gefahr, in der Barbarei zu landen, wenn Wohlstand nicht besser verteilt wird. Was geschieht? Alle bieten Pseudolösungen. Wer kennt nicht das Gerede unserer Politiker und Wirtschaftbosse bei Christiansen, unsere Löhne müssten sinken, weil sonst Arbeitsplätze nach Osteuropa oder China verlagert würden. Doch wie sieht es wirklich aus? Laut Rifkin beträgt der Anteil an den abgebauten Arbeitsplätzen, welcher der Verlagerung zukommt, gerade mal 1%! Das Botox im Kopf von Sabine Christiansen lässt sie nicht nur um Jahrzehnte jünger aussehen, sie wirkt als sei sie gerade mal 70 - 80 Jahre alt, scheinbar erlaubt es ihr auch, zu lügen ohne rot zu werden. Oder richtet dieses Nervengift in ihrem Kopf noch anderes an? Wenn 99% des Stellenabbaus auf das Konto der Produktivität gehen, welche objektive Standortkonkurrenz gibt es dann im Lande des Exportweltmeisters? Ist es eines Exportweltmeisters mit landwirtschaftlicher Selbstversorgungrate von knapp 120% würdig, dass gerade eine Hungersnot ausbricht? Machen wir uns nichts vor, die Barbarei, vor der Rifkin uns warnend schützen will, hat schon begonnen! In seiner Analyse ist Rifkin treffend und präzise, auch seine Prognosen sind realistisch. Wie sieht es aber um die Lösungsansätze aus? Er schlägt einen steuerlich geförderten Non-Profit-Sektor vor, als wichtige Steuerquelle erscheint bei ihm die Ressourcensteuer, mit der er natürliche Ressourcen schützen und Unternehmensgewinne abschöpfen möchte. Jedoch: In einer immer stärker monopolisierten Welt dürfte dies schwierig werden, was in einer Welt ohne Monopole zur Reduzierung der Gewinne führte, wird in einer Monopolwirtschift zur Verteuerung der Produkte. Die Ökosteuer entlastet so nicht die Wirtschaft, sondern würde als künstliche Teuerung an immer ärmere Konsumenten durchgereicht, die in immer stärkerem Umnfang nun nicht teuren Ökostrom, sondern billigen Atomstrom konsumieren. Rifkins Ansatz einer Ressourcensteuer ist, leider, naiv. Sie führt nicht zu besseren Bedingungen für die Umwelt, sondern zu mehr Armut, und dadurch zu mehr Belastungen für die Natur, denn auch Naturschutz ist ein öffentliches Gut, das nur und ausschließlich von der Masse der kleinen Konsumenten bezahlt wird. Wer viel Geld hat, lebt in Niedrigenergiehäusern, wer etwas Geld hat, kauft Ökostrom, wer kaum Geld hat, Atomstrom, wer kein Geld hat, holzt ringsumher die Wälder ab, bis ganze Ökosysteme verschwunden sind. Der "Trikont" legt beredtes Zeugnis hiervon ab. Ein anderer Lösungsansatz Rifkens ist eine Ausweichgesellschaft. Wenn der Staat schon nicht mehr die Menschen finanzieren kann, sieht Rifkins Chancen in Parallel-Währungen. Pro zeitlicher Arbeitsleistung einen Zeit-Dollar, der dann gegen Waren und Dienstleistungen getauscht werden kann. In den USA gibt es wohl schon 250 solcher Projekte, und auch in Deutschland spießen Tauschringe aus dem Sumpf der Verzweiflung. Was Rifkins übersieht: Weder stärken diese Parallel-Währungen die allgemeine Kaufkraft für die gleichberechtigte Teilhabe an der gemeinsamen Wirtschaft, noch können diese den Produktivitätszuwachs kompensieren. Jeder Unternehmer trachtet nach höchstem Gewinn bei niedrigster Ausgabenseite, egal wie parallel und wild-romantisch manchem diese Währungsexperimente auch anmuten mögen, sie hebeln das Gesetz der gallopierenden Produktivität nicht aus, sie führen nicht zu gerechterer Verteilung. Schlimmer noch, in Europa zumindest sind diese Parallelwährungen durchdrungen vom sozialdarwinistischen und antisemitischen Ungeist Silvio Gesells, sie sind oft aufs engste vernetzt mit den Kreisen der Neofaschisten. Wenn Sie dies aus romantisistischen Gründen gerne ignorieren würden lesen bitte auch: http://www.infopartisan.net/archive/trend/trend98/fa/i0798.html Dieser Ansatz stellt also kaum eine Lösung dar, eher den Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Einen dritten Ansatz zur Lösung hat Rifkin noch, die Maschinensteuer. Doch bei genauem Hinsehen fällt auf, dass für die Maschinen das gilt, was auch für die natürlichen Ressourcen gilt, sie sind Teil des Produktionskapitals, welches zu besteuern in einer Monopolwirtschaft nur zu Verteuerung führt. So gut und präzise Rifkins Analyse der Probleme ist, so schwach sind leider seine Lösungsansätze. An die eigentliche Triebkraft der Wirtschaft geht er nicht, an die Gewinne. Wie so viele Romantiker sieht er die Zugriffsmöglichkeit in der Produktion, nicht im Gewinn. Und gerade der Gewinn ist das, weshalb gewirtschaftet wird, der geschaffene Mehrwert landet heute in Hedge-Fonds und anderen Feldern der Spekulation, hier würde es lohnen anszusetzen, da wo erwirtschaftetes Vermögen weder in den Konsum noch in die Investition fließt. Vermögensteuer und Kapitalertragssteuer, hier wäre was für die Gemeinschaft zu holen. Um nicht missverstanden zu werden, ich sehe den sinnvollen Zugriff nicht auf jedem Gewinn! Der Gewinn, der weder sozial investiert noch konsumiert wird, ist der Gewinn, auf den die Gemeinschaft zugreifen muss, wenn sie Gemeinschaft bleiben will. Teilweise könnte auch der Konsum versteuert werden, aber eben nur teilweise, da eine reine Fixierung der Finanzierung einer Gesellschaft über den Konsum die monopolisierenden Machttendenzen einer ungebremsten Eigentumsproblematik nicht angreift; und gerade globale Gemeinschaftseigentum aller Menschen an allem ist es, was der Selbstzerstörung der Menschheit durch globalen Kapitalismus einzig wirksam etwas entgegen setzen kann. Kleiner Tipp: Wem gehört das Kapital
URL dieser Seite: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/rifkin_analyse.htm
Macht uns reich! Schenkt uns Geld!
© Christian Wetter 06.08. 2005 |
||
![]() |
||