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Von Werwölfen und anderen

Bremen, den 23.07.2005

Nein, hier geht es nicht um Geisterbahnen, Halloween und ausgehöhlte Kürbisse.

Es geht um einen kleinen, aber unfeinen Teil der Geschichte.

Der Journalist, Herausgeber und Verleger Nikolaus Ryschkowsky, nach dem zweiten Weltkrieg bis 1953 tätig für den CIA-Vorläufer CIC, berichtete viele Jahre später Horst Lummert (Herausgeber der "kuckuck") von einer denkwürdigen Begebenheit im Frühjahr 1945, in deren Rahmen mit Zustimmung des Reichsleiters Martin Bormann eine Operation "Werwolf" beschlossen wurde.

Im militanten Teil ging es dabei um die Vorbereitung zur Organisation von Anschlägen auf die zu erwartenden und schon in vielen Landstrichen vorhandenen Truppen und Einrichtungen der Bestatzungsmächte. Der verloren gehende Krieg sollte also durch Terroranschläge fortgeführt werden. Tatsächlich "kämpften" einzelne Einheiten des Werwolf noch 1947!

Der politisch-strategische Teil der Operation Werwolf plante Ryschkowsky zufolge die Gründung einer religiösen Gemeinschaft nach dem Muster einer christlich-kommunistischen Sekte als Tarnorganisation, um den führenden Köpfen einen nach außen unverdächtigen organisatorischen Überbau zu geben. Weder die Amerikaner würden Verdacht schöpfen, da diese das Sektenwesen aus ihrer Heimat kennen würden, noch die Russen.

Es spricht vieles dafür, dass der 1950 gegründete und ab 1952 wegen verfassunsgsfeindlicher Aktivitäten, u. a. dem Anlegen von schwarzen Listen zur geplanten Ermordung unliebsamer Mitmenschen, verbotene "Bund Deutscher Jugend" in vielem dem militanten Teil der Operation Werwolf entsprach. Der unter Einwirkung des CIA-Vorläufers CIC gegründete "Technische Dienst" des "Bund Deutscher Jugend" sollte nach Plänen des CIC im Kriegsfall mit der SU hinter den feindlichen Linien operieren und Sabotageakte verüben, zudem Personen aus dem linken Spektrum ermorden.

Tatsächlich führte dieser technische Dienst des BDJ im Odenwald Übungen mit Maschinengewehren etc. durch. Personell besetzt war er überwiegend mit ehemaligen Angehörigen von Waffen-SS und ehedem linientreuen Wehrmachtskämpfern.

Als religiöse Sekte kann man den "Bund Deutscher Jungend", von dessen Chef Paul Lüth Nikolaus Ryschkowsky 1961 den Verlag der "Studien von Zeitfragen" übernahm, allerdings nicht sehen.

Allerdings gab es ab 1946 tatsächlich Bestrebungen von Nationalsozialisten aus dem Umfeld des NS-Kirchenkampfes, an dessen Leitung der oben genannte Martin Bormann neben Alfred Rosenberg beteiligt war, sich einen religiös-sektierisch-organisierten Überbau zu verschaffen.

Obwohl nicht klar ist, ob diese Bestrebungen tatsächlich in direktem Zusammenhang mit der "Operation Werwolf" stehen, gibt es zumindest die strukurelle Ähnlichkeit mit dem politisch-strategischen Teil.

Nach den Beschreibungen des Buches "Die Götter des New Age" des Berliner Instutes für Faschismusforschung bilden bereits 1946 in einem amerikanischen Nazi-Internierungslager bei Stuttgart Nationalsozialisten eine religiöse Gruppe mit guten Kontakten zum völkisch-freireligiösen Pfarrer Rudolf Walbaum aus Rheinhessen, der einer kleinen christlichen Sekte angehört, sich aber durch seine Ambitionen bei der Gründung der braunen "Deutschen Glaubensbewegung" seit den 30er Jahren zusehends von den Mitgliedern der christlichen Sekte entfemdete.

Da Pfarrer Walbaum selbst nicht interniert ist, hat er freien Zugang zu den Gefangenen, der ihm aus Gründen der Religionsfreiheit gewährt wird.

1947 beschließen die "religiösen" Nazis den Eintritt in die "Religionsgemeinschaft freie Protestanten in Rheinhessen e. V.", die sie ab 1950 dominieren und in "Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft" (DUR) umbennen und deren Satzung ändern. 1953 dann treten die meisten der urspünglichen Mitglieder der freien Protestanten unter Protest aus.

Das vom Berliner Institut für Faschismusforschung veröffentlichte Material über die Hintergründe der "Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft" belegt zwar die religiösen Bestrebungen der früheren Kreise um Alfred Rosenberg und Martin Bormann; weder verweist es auf den von Ryschkowsky offengelegten politisch-strategischen Teil der Operation Werwolf, noch beweist es direkt die Gründung der DUR als Teil der Operation Werwolf.

Was mir bei dieser Sache auffällt, ist die Tatsache, dass Ryschkowsky in genau jenem Zeitraum Mitarbeiter des CIA-Vorgängers CIC war, er seit Frühjahr 1945 von den Plänen zur Operation Werwolf wusste, und dies, so mutmaße ich, auch seinen vorgesetzten Dienststellen bei der CIC mitgeteilt haben dürfte.

Weshalb die CIC trotz anzunehmenden Wissens um "Werwolf" sich einerseits aktiv an der Gründung des militanten technischen Dienstes des "Bundes Deutscher Jugend" (BDJ) mit Führungspersonal aus der Waffen-SS beteiligte, ist mir genauso schleierhaft wie die offensichtliche Duldung der Aktivitäten um Pfarrer Walbaum, die im religiösen DUR mündeten.

Zumindest die strukurellen Ähnlichkeiten müssen doch den Verantwortlichen des CIA-Vorgängers CIC geradezu ins Auge gesprungen sein.

Mitglieder und Sympathisanten des DUR finden sich heute in vielen, wenn nicht allen der im Bundestag vertretenen Parteien, besonders stark jedoch in der SPD, in die schon zwischen und nach 1950 bis 1952 viele Mitglieder des BDJ eintraten. War es noch das klare Ziel des BDJ linke Personen innerhalb der SPD für die Todesliste auszukunftschaften, so ist fraglich, welches Ziel die Deutschen Unitarier, die man per Gerichtsbeschluß als Nazi-Sekte bezeichnen darf, innerhalb der Parteien, besonders innerhalb der SPD verfolgen.

Im mittlerweile "wegen Wartungsarbeiten" seit mehreren Monaten "vorübergehend" geschlossenen Internet-Forum der SPD (klartext.spd.de) führte allein schon die Verwendung des Wortes "Nazi-Sekte" oder auch nur der Hinweis auf Mitglieder der DUR in der Bundestagsfraktion der SPD glaubwürdigen Berichten zufolge zur sofortigen Sperrung des Teilnehmers... Wenn demokratische Parteien dankbar für Hinweise auf Unterwanderung wären, so ist die SPD bestrebt, jegliche Information durch Zensur zu unterdrücken. Warum nur?

 

 

 

Quellen und Tipps:

1.: http://www.kokhavivpublications.com/kuckuck/review/bd03_206.html (Informationen von Horst Lummert und anderen)

2.: http://home.snafu.de/bifff/NA4.htm#Ents (Gründungszeit der DUR)

3.: http://www.kriegsreisende.de/relikte/org-gehlen.htm (BDJ und andere Organisationen im frühen Kalten Krieg)

4.: http://www.vuk-goettingen.de/archiv.htm (Das Archiv des VUK e.V. beinhaltet u.a. eine Sammlung der von Ryschkowsky gleichzeitig herausgegebenen linksextremen und rechtsextremen Zeitschriften)

5.: http://www.jungewelt.de/2002/12-20/014.php (zum Vergleich der Zeit '29 - '33 mit der heutigen)

6.: Droht der WASG rechte Unterwanderung? (Stattnetz-Artikel zu aktuellen Problemen)

7.: Zitat: Nach zwei Urteilen des OLG Hamburg vom 24.10. und vom 31.10.1991 darf die DUR als „Nazi-Sekte“ bezeichnet werden. Ein lokales Beispiel: Die Hamelner Gemeinde ehrte 1994 den ehemaligen Kreisschulungsleiter der NSDAP, Helmut Soltsien. 1994 fanden auch etliche Gemeinschaftsveranstaltungen mit den NPD-gesteuerten „Freien Humanisten“ im Unitarierheim Redenhof statt. Desweiteren unterhält die Hamelner Gemeinde zum Nazi-Ökobauern Baldur Springmann, so zum Beispiel mit einem Besuch am 24.8.1996 unter dem Motto „Fahrt zu den Stätten unitarischen Wirkens“. Zitatende. Quelle: http://www.infoladen.de/il/sljena/future/F08.htm

8.: Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS: Die "Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft e.V." und das rechtsextreme Spektrum (Deutscher Bundestag: Drucksache 13/7457 vom 11.04.1997) Quelle: http://dip.bundestag.de/btd/13/074/1307457.asc

9.: http://www.shoa.de/content/view/370/40/ ( "Werwölfe" 1945)

10.: http://www.idgr.de/texte/geschichte/nachkrieg/aktion-d-heller.php (Die "Aktion Deutschland" - Eine SS-Untergrundorganisation nach 1945)

11.: http://www.idgr.de/texte/dokumente/aktion-deutschland/brief-ad.php (Ein Brief der "Aktion Deutschland" von 1947)

 


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© Christian Wetter 23.07. 2005

 
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