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Was tun gegen "Rechts"?

Bremen, 29. 10. 2006

Ständig erzielen offen rechte Parteien neue Zugewinne bei Wahlen, andauernd melden Nazis irgendwo Demos an. Symptome, die zeigen, das etwas nicht stimmt.

Was kann man dagegen tun? Soll man sich den Symptomen entgegen stellen? Womöglich gemeinsam mit Bürgermeistern fernab der Demo-Routen der Rechten gegen diese demonstrieren, um dann im Gefühl zu den Guten zu gehören und einen Aufstand der Anständigen geliefert zu haben zur Geschäftsordnung über zu gehen?

Schließlich ist es ja ungemein verlockend am Gröpelinger Straßenbahndepot in Bremen gegen die Rechten zu demonstrieren, die außerhalb der Sichtweite und garantiert außerhalb der Hörweite am Bahnhof Walle in Bremen ihren Demozug beginnen. Gut 4 Kilometer Distanz machen den Kampf gegen das Sympton da schon zum wagemutigen Akt, da kann auch der Beamte sich fühlen wie Stauffenberg!

Wirkungslose und risikofreie Aktionen ohne Fragestellung bezüglich der Ursachen, der Michel wird prompt zum Antifaschisten!

Allein, was bewirkt dies gegen Rechts?

Nichts!

Deswegen ist es ja so beliebt!

Die Rechten marschieren weiter, das Kuschen vor ihnen wird emotional positiv besetzt antrainiert, jedes Dagegen wird zum Dafür. Absolution inklusive. Schließlich weiß Michel, daß mit diesen Leuten kein Staat zu machen ist, trotzdem mit ihnen mitfiebernd stellt er sich da entgegen, wo sie nicht sind. Nach dem Krieg kann die Teilnahme am Dagegen nachgewiesen werden, die Entnazifizierung ist jetzt schon sicher, die Karriere ist gerettet.

Selbstverständlich kennt der Michel und seine Holde Michaela auch die Zusammenhänge zwischen Verarmung, Verblödung und Faschismus. Aber, so das brave "Mich"-Paar, muß man denn Fascho werden, bloß weil man verarmt und verblödet im Ghetto lebt? Man kann doch schließlich auch diskreter Faschist sein, mit Gold im Safe im Bonzenviertel! Und trotzdem gegen Nazis demonstrieren, wo weit und breit keiner zu sehen ist! DA SOLLEN SICH DIE ARBEITSLOSEN MAL EIN BEISPIEL NEHMEN! Nicht bloß motzen, sondern TUN!

Verblöden für Deutschland, Hungern für Hartz! Das ist das Gebot der Stunde!

Sicher, wenn man Geld damit verdienen könnte, Leute in Güterzügen zu deportieren, sicher, man täte es, und würde 10 Kilometer vom Bahnhof entfernt dagen demostrieren, schließlich will man ja wieder entnazifiziert werden!

Aber diese Hungerleider, diese ungebildeten Volltrottel, die noch nichtmal die Kohle haben, ihrern Kindern Studiengebühren zu bezahlen, die sollen bitte schön die Drecksarbeit machen und die Kanacken vergasen ohne Aufsehen zu erregen! Sich selbst am besten mitvergasen!

Die Bürgerlichkeit demonstriert dann schon dagegen!

Natürlich nur da, wo keiner mehr das Krematorium riecht!

Und mit denen, die über Ursachen reden, und das Übel an der Wurzel packen wollen, reden WIR schon lange nicht! Und wenn der Kapitalismus tausendmal unausweichlich zum Faschismus führt, das Proletenpack ist Schuld, das Proletenpack ist Schuld! WIR haben schließlich demonstriert und uns dem Faschismus entgegen gestellt, wo weit und breit kein Nazi war! WIR waren MUTIG!

Und wenn einer kommt und den Kapitalismus in Frage stellt und an unsrer Riesterrente rüttelt, mit dem reden WIR schon garnicht! Iih Pfui!


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Macht uns reich! Schenkt uns Geld!

 


Christian Wetter 29. 10. 2006

 
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