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Wem gehört das Kapital? Versuch einer Kritik des Nonkontentualismus der politischen Diskurse des frühen 21. Jahrhundert |
Bremen, den 10.06.2005
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Das ist doch eigentlich auch mal eine interessante Frage, zu klären, wer denn auf dieser Welt das Eigentumsrecht am Kapital hat. Immerhin richtet sich die Politik fast aller Staaten dieser Welt danach, was wohl die Wünsche und Bedürfnisse dieser sogenannten "Eigentümer" sein mögen, wobei jedwelche Strafandrohung dieser wahlweise als "Global Player", "Investoren" oder "Heuschrecken" genannten "Eigentümer" den sofortigen und uneingeschränkten Gehorsam der Politiker zur Folge hat. Um zu Klarheit zu kommen, muss man sich natürlich erstmal um die Definitionen bemühen, also klären, was mit den Termini "Eigentum" und "Kapital" gemeint ist. Verzichtet man auf diese Definitionen endet man wie Karl Popper in seiner Theorie der demokratischen Kontrolle der Macht im Nonkontentualismus, also der zum Prinzip erhobenen Inhaltslosigkeit; denn den für seine Theorie zentralen Terminus der Macht definierte Karl Popper wie bekannt nicht, womit denn alles Geschriebene nonkontentual, also inhaltslos blieb, was jedoch seine Beliebtheit bei den Mächtigen nur zu gut zu erklären vermag. Beginnen wir also mit dem Terminus "Kapital", eine bekannte Definition bestimmt das Kapital als "Produktionsmittel", worunter in den klassischen marxistischen Theorien und Theoremen alles verstanden wird, was einen "Mehrwert" produziert, also landwirtschaftliche Werkzeuge, Bergbauwerkzeuge, Industriewerkzeuge; also kurzum Werkzeuge. Zwei Schwächen dieser Definition fallen mir auf: Erstens die Fixierung auf den Mehrwert, durch die einige Dinge herausfallen, schafft der Computer eines Romanistik-Professors einen Mehrwert im klassischen Sinn? Wohl kaum. Schafft eine Rolle 500-Euro-Scheine einen Mehrwert? Wohl kaum. Schafft eine Luftmine einen Mehrwert? Eindeutig nicht. Handelt es sich bei den drei genannten Beispielen um materielle Güter, bei denen es Verfügungsgewalt, Verwendungsmöglichkeit, Einbindung in "Produktionsabläufe" und Einbindung in eine Machtkonstellation gibt? Eindeutig ja. Der Romanistik-Professor erstellt und bearbeitet mit seinem Computer Texte seines Fachbereiches, also Informationen, die zwar eine sehr wichtige Rolle im Rahmen der abendländischen Kultur zu spielen vermögen, die aber bei Reduktion auf den reinen Warencharakter einer reinen Marktwirtschaft kaum je zustande kommen würden, da das ökonomische Angebot die martseitige Nachfrage bei weitem übersteigen dürfte. Die Rolle 500-Euro-Scheine sind zwar das Ergebnis eines Produktionsablaufes einer Druckerei, stellen aber selbst keinen Mehrwert her, man kann sie getrost mehrere Wochen im Schreibtisch liegen lassen, es kommt kein Scheinchen hinzu. Die Geldscheine spielen aber aber doch als Mittel der Kommensurabilität von Waren und Dienstleitungen eine zentrale Rolle im Wirtschaftsablauf, eine noch größere zugegebener Weise in unserer jetzigen Wirtschaft darin, dass es als Konsens gilt, das Ziel alles Handelns darin zu sehen, möglichst viele dieser Euros sein Eigen zu nennen. Je mehr Geld man hat, desto mehr Handlungsoptionen hat man in der Geldwirtschaft, in der wir nunmal leben. Wer mehr Handlungsoptionen hat, ist seinem Verhalten unvorhersehbarer als jemand, der über weniger bis keine Handlungsoptionen verfügt. Laut vieler Informationstheoretiker ist nun das Maß der Information reziprok, also umgekehrt zum Maß der Vorhersehbarkeit. Je vorhersehbarer das Verhalten einer Entität, desto geringer das ihr innewohnende Maß an Information. Meteorologen rauffen sich darob des öfteren die Haare. Das Geld, so man vieles davon besitzt, eröffnet also ein mehr an Spielraum, wenn man wenig davon hat, verringert dieses Manko eigene Handlungsoptionen, engt also Freiheit ein. Wer mehr Freiheiten hat, als ein anderer, hat folglich ein mehr an Macht. Das Geld prodiziert also selbst keinen Mehrwert, es produziert Konstellationen von Macht und Ohnmacht, kein Wunder also, dass die Finanzterroristen stets und dezidiert darauf pochen, dass sie selbst immer mehr Geld (also mehr Macht und mehr Freiheit), die Masse des Volkes hingegen immer weniger Geld (also weniger Macht und weniger Freiheit) in Händen halten. Die Luftmine nun gehört zu jenem militärischen Waffenarsenal, welches in großen Mengen zwar produziert wird, aber selbst noch nichtmal die Nachfrage an Klopapier zu decken vermag. Dennoch ist es ein als hehres geltendes Ziel des Handelns in unserer heutigen globalen Gesellschaft, vermittels des Geldes über soviel Einfluss über die Kriegswaffen zu verfügen, dass man damit jederzeit die eigenen Interessen durch Androhung und Durchführung breitangelegter Vernichtungsaktivitäten durchsetzen kann, sollte man Interessenkontrahenten nicht durch Reduktion derer Geldvermögen in für Unterwerfungszwecke hinreichendem Maße in deren Handlungsoptionen einschränken können. Durch das Waffenarsenal lassen sich die Handlungsoptionen des Kontrahenten durch schlichte Tötung auf Null reduzieren, Tote leisten weder Widerstand noch neigen sie zu Widerspruch. Jetzt ist also ganz gut nachvollziehbar dargestellt, dass es sich bei Information, zu der auch die Kommensurabilitätsinformation des Geldes gehört, und der Waffentechnologie zwar keineswegs um Produktionsmittel handelt, jedoch in jedem Fall um die wohl einzigen Verfügbarmachungsziele der Produktionsprozesse in unserer globalisierten Kultur. Information und Waffen sind somit keine Produktionsmittel, sondern Ziele der Produktion. Das auf einen Terminus reduzierbare Ziel der Produktion lautet somit Macht. Da diese Macht sich nun auch auf Verfügung über Produktionsmittel und die abhängig Produzierenden erstreckt, die Verfügung über Information und Waffen also in positiver (sich selbst verstärkender) Rückkopplung mit der Verfügung über Produktionsmittel resultiert, ist es notwendig, den Begriff des Kapitals um die Termini Information und Waffen zu erweitern. Im Vergleich zum marxistischen Begriff des Kapitals ist mit dieser Erweiterung des Begriffes "Kapital" um die Termini "Information" und "Waffen" schon mal eine gravierende Schwäche ausgeräumt. Die zweite Schwäche des marxistischen Kapitalbegriffes ist die Unklarheit, wie und ob überhaupt die Rohstoffe dazugehören. Schließlich produzieren die Rohstoffe nichts von alleine, ohne die Produktionsmittel finden sie keinen Weg in die Produktionabläufe. Aber es gilt auch, dass es ohne Rohstoffe selbst mit den besten Produktionsmitteln zu keinerlei Produktion kommt. Wie auch immer man die Frage nach dem Eigentum am Kapital stellt, wenn man die Rohstoffe außen vor läßt, bleibt die Antwort nonkontentual, also inhaltsleer, weil es ohne Rohstoffe schlichtweg keine Produktion gibt. Es liegt also nichts näher, als den Begriff des Kapitals, nachdem er schon um die Termini Information und Waffen erweitert wurde, nun um den der Rohstoffe zu erweitern; was ich hiermit als geschehen zu betrachten bitte. Bei Kapital handelt es sich also um jede Form von Produktionsmittel, Information, Waffen und Rohstoff. Bei der Lösung der durchaus interessanten Frage, wem das Kapital gehört, sind wir also schon einen wichtigen Schritt weiter gekommen, indem definiert ist, was mit dem Terminus "Kapital" begrifflich gemeint ist. Nun ist es also an der Zeit, sich um eine Definition des Terminus "Eigentum" zu bemühen, ohne die die Frage, wem etwas gehört, reichlich inhaltsleer bleibt. Um bei der Definition des Terminus "Eigentum" möglichst naturwissenschaftlich orientiert zu arbeiten, scheint es mir geboten, zu versuchen psychologische Konstrukte, seien es nun welche, die eher kulturanthropologisch begründbar sind, seien es solche, die nur mir dem Instrumentarium der Psychopathologie zu erfassen sind, wenn irgendmöglich zu vermeiden. Es geht also nicht darum, herauszufinden, wie irgendwelche primitiven Volksstämme den Eigentumsbegriff verstehen. Auch geht es mir nicht darum, rational denkenden Menschen zu erschließen, wie an bestimmten Geisteskrankheiten leidende Menschen sich das Eigentum vorstellen. Karl Popper war ja nun der Meinung, dass "Eigentum" ein rein psychologisches Konstrukt sei. Nun, es gibt das individualpsychologische Phänomen, Herrschaft über Entitäten, seien es nun Dinge oder Belebtes, zu beanspruchen. Auch gibt es die massenpsychologische Zuweisung von Herrschaft über Entitäten. Die naturwissenschaftlich irrelevanten Phänomene psychologischer Zuweisung beiseite gelassen, verbleibt die Herrschaftsbeziehung. Macht, also genannte Herrschftsbeziehung, ist nun keineswegs ein rein psychologisches Konstrukt, denn zum Wesen der Herrschaft gehört es, Dinge verwenden, zu modifizieren und sogar zu zerstören. Wer die Herrschaft über eine Pistole ausübt, kann damit sich selbst oder jemand anderes erschießen, er kann damit mehr oder weniger lustige Motive in seine Wohnzimmertapete schießen, aber auch der Pistole eine andere Farbgestaltung verpassen oder sie in der Schrottpresse zerstören. Da er mit der Pistole jemand anderes töten oder zumindest verletzen, also "modifizieren" kann, übt er vermittels der Pistole Herrschaft, also eine Eigentumsrelation über die andere Person aus, gesetzt den Fall, dass Eigentum tatsächlich etwas mit Herrschaft zu tun hat. Der Pistolenträger übt seine tatsächliche Herrschaft über und durch die Waffe dadurch aus, dass er sie in Händen hält. Die Fragen, ob er für diese Waffe bezahlt hat, sie erbte, geschenkt bekam oder überhaupt eine Waffe in Händen halten "darf", sind rein psychologischer Natur, also in Tatsächlichkeiten untersuchenden, naturwissenschaftlich orientierten Fragestellungen belanglos. Ebenso ist es mit dem sonstigen Kapital, Herrschaft über das Geld übt der aus, der es in Händen hält, Herrschaft über Produktionsmittel und Rohstoffe hat der, der unmittelbaren Zugriff hat. Der Arbeiter an einer Maschine hält die Macht darüber in Händen, obwohl es ihm in den seltensten Fällen bewußt ist, ist es seine freie Verfügung, ob er mit einem Roboter etwas herstellt oder den Roboter etwa zerstört. Genau so übt der oben genannte Romanistik-Professor die direkte und unmittelbare Herrschaft über sein Arbeitsgerät "Computer" aus, er könnte dies jederzeit durch Fußtritte oder gezieltes Werfen zerstören. Aber nicht nur die gewohnheitsmäßig unmittelbar am jeweiligen Material tätigen können Herrschaft über dieses Material ausüben, jederzeit können Menschen beschließen, Herrschaft über Gebäude, Fabriken, Felder etc. zu übernehmen. Jederzeit kann eine aufgebrachte Menge die Villa eines Managers in Brand setzen. Der Manager ist darum nur Teil der Menge, die Eigentum, also Herrschaft über das von ihm bewohnte Gebäude hat. Jede andere Zuweisung ist rein psychologischer Natur, also nichtig. Ich komme also zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich Eigentum gibt, und zwar als Herrschaft über die materielle Welt, also auch über die "Hardware" vermittels derer Informationen erstellt, verarbeitet und verbreitet wird. Die tatsächliche Herrschaft über die Dinge wird nun aus wissenschaftlicher Sicht nicht von einigen wenigen ausgeübt, sondern ist im Prinzip allen gemeinsam. Alles vorhandene Kapital ist darum faktisch gemeinsames Eigentum aller Menschen. Die faktische Möglichkeit, alles zu nutzen, zu modifizieren und gar zu zerstören ist real unveräußerlich. Alles Kapital ist damit unveräußerliches Eigentum der gesamten Menschheit. Die Frage, wem das Kapital gehört, ist damit einwandfrei geklärt. Nun ist es natürlich der Menschheit selbst überlassen, was sie mit ihrem unveräußerlichen Eigentum macht. Derzeit scheint eine gewisse psychologische Abneigung zu bestehen, mit dem Eigentum auch verantwortungsvoll umzugehen. Weder wird die gesamte Natur als Rohstoffquelle von ihrem Eigentümer, eben der gesamten Menschheit, als erhaltenswert betrachtet, noch ist die Menschheit bereit mit ihrem Eigentum an Wissenschaft, Geldwesen und Produktionsanlagen in irgendeiner konstruktiven Weise umzugehen. Die Menschheit scheint sich selbst nicht als erhaltenswert zu betrachten, aber als Eigentümerin ihrer selbst ist die Menschheit vollkommen souverän, wenn sie kollektiven Selbstmord begehen will, kann nichts sie davon abhalten. Es hat den Anschein, als ob die Menscheit in einem Akt kollektiver selbstverschuldeter Unfreiheit auf die demokratische Kontrolle ihres unveräusserlichen Eigentums an dieser Welt verzichtet, um blos ja kein Gefühl der Verantwortung zu spüren. Lieber bildet man psychologische, also nichtige, Kontrukte, mit denen die Verfügung über diese Welt bereitwilligen "Heuschrecken", "Investoren" bzw. "Global Playern" übertragen wird. Denn wenn diese die Welt schlecht verwalten, so die Massenpsychologie der selbsterwählten Unfreiheit, sei man ja nicht selbst schuldig an der Misere. Nicht dass ich der Menschheit als souveräner Eigentümerin an dieser Welt das Recht absprechen könnte, zur Verwaltung ihres Eigentums einzusetzen, wen sie will, sie hat die faktische Möglichkeit mit ihrem unveräußerlichen Eigentum zu tun was immer ihr beliebt, aber dann soll die breite Masse bitteschön aufhören zu Jammern. Es war die souveräne Entscheidung der Menscheit, ihr Eigentum an undemokratische Kapitalisten zur Verwaltung zu geben, jetzt, da sich heraustellt, dass diese ihrer Verwaltungsaufgabe nicht im Ansatz gewachsen sind, ist es die Verantwortung der Menscheit als souveräner Eigentümerin, die Verwalter zu entlassen und sich eine bessere, demokratischere Verwaltung zu geben. Ansonsten sollte sich niemand darüber beschweren, wenn die erwiesenermaßen unfähigen "kapitalististischen", d.h. finanzterroristischen Verwalter des unveräußerlichen Menschheitsvermögens sich selbst in wahnhaften psychologischen Konstrukten das Eigentumsrecht unwidersprochen zuweisen und die angeblich regierenden politischen Kasten zum unbedingten Gehorsam zwingen. Die Menschheit kann sich jederzeit ihr Eigentum nehmen und besseres damit machen; wenn sie es nicht tut, ist sie für die Folgen dieses Unterlassens selbst verantwortlich. Und natürlich haben die Menschen die faktische Möglichkeit, das was "Plutokraten" ihnen vorenthalten wollen, seien es Universitäten, Bibliotheken oder Gesundheitseinrichtungen niederzubrennen, wenn eine kleine Minderheit ihnen das demokratische Recht auf freien Zugang verweigert. Unabhängig von infantiler Emotionalität und Klassenjustiz beinhaltet das Globaleigentum der Menschheit auch die faktische Macht, das zu zerstören, was nur von einer degenerierten und dekadenten Minderheit für sich selbst beansprucht wird. Wobei ich persönlich natürlich eine bessere und demokratische Verwaltung des Eigentums der Menschheit mit freiem und gleichen Zugang aller zu allem der Zerstörung vorziehe.
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Macht uns reich! Schenkt uns Geld!
© Christian Wetter 10.06. 2005 |
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