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Zwangsprostitution

 

Nein, ich schreibe hier nix zu Fernsehübertragungen anläßlich des Visa-Untersuchungsausschusses. Es geht mir auch weniger darum, die bürgerliche Boulevard-Presse zu schelten, die sich einem Kabarettisten zufolge erst dann um das Thema Zwangsprostitution kümmern wird, wenn eine osteuropäische Zwangsprostituierte dem CDU-Mitglied Michel Friedmann im Kokain-Rausch das Gemächt abbeißt; wobei ich mir in diesem Fall die Schlagzeilen schon bildlich vorstellen kann: "Schlimm! Russenweiber antisemitisch! Historiker Wolffsohn: Das ist Kristallnacht!" (Wer auch immer welche Bestialitäten des Kapitalismus auch immer angreift, oder sich gegen diese verteidig,t wird von der selbst rechtsextremen Nomenklatura der BRD gerne in die Nazi-Ecke gestellt, damit möglichst bald nur noch Nazis als Alternative wahrgenommen werden und die Eliten den ganzen Laden ins Vierte Reich ummodeln können.)

Bekannt ist das Phänomen der Zwangsprostition ja schon länger, da bedarf es ja eigentlich keines Wahlkampfspektakels und keiner Skandale um mittelmäßige Moderatoren mit deutschnationalem Parteibuch.

Mit dem Umbruch in Osteuropa, den sich so gerne Vatikan und katholische Kirche als selbsternannte Kolonialherrschaft an die Brust heften, begannen dort Armut und Prostitution zu grassieren. Die riesigen Straßenstriche an den Europastraßen Tschechiens und Polens sind seit den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Begriff. So ganz freiwillig haben auch dort die Huren nie gearbeitet, oft war Hunger das Motiv, die Armutsprostitution ist genau genommen auch ein Aspekt der Zwangsprostitution. Oft war aber auch gewalttätiger Zwang durch organisierte Kriminalität der Motor des Geschehens, den meist deutschen Freiern konnten und können die Stricherinnen nicht jung und "unverbraucht" genug sein. Die in den Massenmedien manifestierte und gelenkte Öffentlichkeit schaute gerne weg, waren doch wenigstens keine deutschen Teenager Opfer von krimineller Politik und organisierter Kriminalität. Den durch die Pilgerströme der Freier zu den billigen Strichen im Osten resultierenden Preisdruck auf die registrierten und mit "Bockschein" arbeitenden Huren hierzulande nahm die breite Masse eher mit Wohlwollen denn mit Besorgnis zur Kenntnis.

Klar, dass das immense Interesse deutscher Freier an billigen osteuropäischen Zwangsprostituierten sowohl die politische als auch die organisierte Kriminalität auf neue Gedanken brachte, mehr Kohle ließe sich raffen, wenn man den Freiern die lange Anfahrt ersparte und die Sexsklavinnen direkt vor Ort anbieten könnte.

Genau dies passiert nun schon seit Jahren. Das hiesige "Gewerbe" ist am Boden, zumal auch hier die Armutsprostitution zunimmt. In der hiesigen Straßenprostitution ist es den Mädels kaum noch möglich, auf den Gummi beim Verkehr zu bestehen, die versklavte Konkurrenz macht es nicht nur billiger sondern meist auch ohne. Die mehr als deutliche Zunahme der HIV-Infektionen in den letzten Jahren wird in den Massenmedien allerdings gerne ohne jeden Zusammenhang gesehen, wenn überhaupt, so ist die Borniertheit der Jugendlichen schnell als Ursache ausgemacht. Weiter denkt kaum kein Redakteur, zu mächtig erscheinen den meisten die wirtschaftlichen und politischen Interessen im Hintergrund; und sobald es um diese Interessen geht, verliert ein ganzer schreibender Berufsstand die Fähigkeit und Bereitschaft zu klarer Analyse.

Andere Auswirkungen der Zwangsprostituion werden allzugerne kaschiert, so beschreibt die Internet-Präsenz der Hansestadt Bremen die hiesige Helenenstraße mit folgenden Worten: "Auch die kleine blickdichte Rotlichtgasse, die Helenenstraße, ist vermutlich nicht gänzlich unbekannt. Sie ist eine alte, man könnte auch sagen: veraltete Institution, 1878 für Prostituierte eingerichtet und auch heute noch diesem Gewerbe dienend. Einige Häuser stehen bereits leer. Eigentlich sei das Ganze nur noch ein Ruinengrundstück, sagt der Ortsamtsleiter. Sollte es eines Tages geräumt werden, gewänne man »ein starkes Stück« Steintor, das rückwärtig den Weg in die kleinen Vorstadtstraßen bis hin zum Bio-Markt auf dem Mecklenburger Platz öffnet." Quelle: http://www.bremen.de/sixcms/detail.php?id=1462341

Eine veraltete Institution, ein Ruinengrundstück, das am besten geräumt würde, soso.... Zwangsprostitution mit ihren Billigtarifen und der erzwungenen Bereitschaft zum Verzicht auf geschützten Verkehr sieht man natürlich nicht, es liest sich so, als sei in Bremen das Interesse der Männer an schnellem Sex mit Huren gänzlich erloschen. Hat etwa die sexuelle Revolution hierzulande um sich gegriffen und die Menschen leben ihre Bedürfnisse so frei und offen aus, dass es kein sexualökonomisches Interesse mehr an Prostitution gibt? Mitnichten.

Dass es Zwangsprostitution auch in Bremen gibt, ist offiziellen Stellen schon seit Jahren bekannt, seit dem 1. Jänner 2002 gibt es hier die Beratungsstelle für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsprostitution (BBMeZ), die Anschubfinanzierung kam von der Bremischen Evangelischen Kirche, nicht etwa vom Senat, seit Juli 2004 bis Ende 2005 werden die Personalkosten von der Stadt Bremen übernommen, für exakt 19 Stunden pro Woche! Laut Infoblatt wurden bisher 32 Betroffene betreut, eine immense Zahl, wenn man bedenkt, unter welchen Druck diese Frauen stehen.

Die Politik scheint nicht mehr als ein Feigenblatt zu benötigen, eine halbe Arbeitsstelle zur Bekämpfung der Zwangsprostitution, das ist schlecht kaschierte Menschenverachtung, mehr nicht. Ökonomisch dumm ist es zudem, da aus dem registrierten Gewerbe durch die wirtschaftlichen Folgen der Zwangsprostitution kaum noch Steuergelder kommen, wie gesagt, die Helenenstraße gilt als verlassenes Ruinengrundstück, wäre die fiskalische Notwendigkeit des vor dem Offenbarungseid stehenden Bremen eigentlich eine andere. Zynisch? Nein, realistisch! Politik orientiert sich nur und ausschließlich am Geld, wenn Politik keine oder kaum Mittel gegen Zwangsprositution bereitstellt, während genau diese Löcher in den Haushalt reißt, muss wohl von anderen Geldströmen in die Taschen der Politiker ausgegangen werden. Sehr viele scheinen am schmutzigen Geschäft des Menschenhandels und der Zwangsprostitution privat mitzuverdienen, ansonsten macht dieser Geiz an der falschen Stelle keinen Sinn.

Ja, ich stelle die Politiker aller Parteien hier bewußt unter den Generalverdacht sich an der Zuhälterei eine goldene Nase zu verdienen! Das Gegenteil können sie ja umgehend durch effektive Beschlüsse unter Beweis stellen...

Allerdings sollte in diesem Zusammenhang auch darauf hingewiesen werden, dass nicht nur die Zwangsprostituierten Hilfe beim und nach dem Ausstieg brauchen, auch die Frauen und Männer, die in der legalen Form der Prostitution arbeiten und Steuern zahlen bedürfen weit besserer Unterstützung, da es bekannt ist, dass mindestens 90% aller Prostituierten in ihrer Kindheit sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Aber da kommen wir ja wieder in den Bereich, in dem die Stammtische nach dem Schafott für Angeklagte schreien, bevor sie besoffen im Rudel über die überlebenden Opfer herüberrutschen...

 


URL dieses Artikels: http://www.stattnetz.de/politik/artikel/zwangsprostitution.htm

 

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© Christian Wetter 04.05. 2005

 
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